Mohács Reloaded

Am 29. August 1526 hat die Armee Sulatan Süleymans I. das etwa 25.000 Mann starke ungarische Heer in der Schlacht von Mohács vernichtend geschlagen. Als Folge der Schlacht verlor Ungarn einen Großteil seiner führenden Schicht sowie ca. 200.000 Einwohner.

Text: Ronald Salzer et moi ;)

Die Beurteilung der Schlacht, die zweifelsohne einen historischen Wendepunkt bedeutete, führte seither in Forscherkreisen zu verschiedenen Auffassungen. In der öffentlichen Meinung Ungarns herrscht jedoch bis heute die Ansicht vor, die blutige Niederlage sei eine unfassbare Tragödie, die das mittelalterliche Königtum Ungarn und die Staatlichkeit generell auf die schiefe Bahn brachte.

Im Herbst 2011 erschien im Internet ein Animationsfilm über die Schlacht. Die Animation fand dank der genauen historischen Authentizität und nicht zuletzt wegen der exzellenten Darstellungsweise sowohl beim Publikum, wie auch bei den Medien großes Echo.

Der Film entstand aus der Selbstinitiative und beharrlichen Arbeit einer Gruppe junger ungarischer Historiker. 

Eine der zentralen Figuren ist BALTAVÁRI Tamás, Historiker, Doktorand der Geschichtswissenschaften und Gymnasiallehrer in Budapest. In seinen Forschungen behandelt er die Möglichkeiten der Computermodellierung von militärischer Befehlsführung in der Neuzeit.

Die andere Schlüsselperson, PARTIG KIS Rómeó, ist für die Informatik zuständig. 

Die Schlachtrekonstruktionen werden mit dem Strategiespiel „Total War” entwickelt. Zuerst werden die Umweltfaktoren und die topogaphischen Gegebenheiten, wie Gelände, Gewässer, Bewuchs und Verkehrswege modelliert und die graphische Darstellung der Umgebung und Armeen entworfen.

Dann werden basierend auf historischer Fachliteratur und Originalquellen die physischen und psychologischen Eigenschaften der jeweiligen Armeen, die Feuerkraft der Waffen und der Ablauf der Schlachten mit verschiedenen Modellen entwickelt.

Dabei können unter anderem die Organisationseffizienz, die Parameter der Gruppendynamik, sowie die Kommunikationsprobleme und deren terrainbedingte und psychologische Gründe analysiert werden .

Im Laufe der letzten Jahre erstellte die Gruppe die Rekonstruktion der Schlacht bei Raab im Jahr 1809 (Rome Total War, Napoleonic Mod) sowie der Schlacht bei Cannae von 216 v. Ch. (Rome Total War, Realistic Mod).

Sowohl die Testversionen als auch die fertiggestellten Filme sind zum größten Teil auf YouTube im Kanal von Callistrid abrufbar.

Die Gruppe hat in Kooperation mit dem Ungarischen Nationalen Digitalen Archiv bis Ende 2012 die Produktion weiterer digitaler Filme vor. Das erste Stück aus dieser Serie, das die Schlacht bei Pischk* zwischen Ungarn und Österreichern vom 9. Februar 1849 präsentiert, ist schon auf der Homepage des Digitalen Archivs einsehbar.

* Die deutsche Vertonung der Animation ist derzeit in Arbeit.

—————————————–

Erzählung: Schlacht bei Mohács

Deutscher Text: Ronald Salzer et moi ;)      

Beratung: Prof. Thomas Winkelbauer

Sprecher: Sebastian Baumann                      

Deutsche Tonbearbeitung: Gregor Bauer

Im Frühling 1526 kommen Schreckensnachrichten aus dem südlichen Grenzgebiet an. Das Königreich Ungarn steht schon 150 Jahre lang der osmanischen Expansion in Europa im Weg . Seit fünf Jahren befindet sich nun das Land im Krieg mit den Osmanen, und ist dabei immer mehr auf sich allein gestellt. Die Ständemonarchie mit kaum 4 Millionen Einwohnern ist nicht fähig, ihre Ressourcen entsprechend zu nützen, während das despotische System des Sultans über 20 Millionen Untertanen verfügt.

Seit dem Verlust von Belgrad, dem Schlüssel des Landes, im Jahre 1521, verteidigt Pál Tomori, der Erzbischof von Kollotscha, die ungarischen Grenzen mit seiner Handvoll Truppen.

Die osmanische Armee bereitet sich auf Befehl des Sultans Süleyman auf einen Westfeldzug vor, der alle bisherigen überragt. Der Vater des jungen Sultans schuf mit seinen Eroberungen im Nahen Osten und in Afrika ein Reich. Es ist jetzt Zeit für den Sohn, seine Fähigkeiten zu beweisen. Auf seinen Befehl hin versammelt sich das aus allen Ecken des Reiches herbeigerufene Heer in Istanbul. Es übertrifft jede christliche Heeresmacht an Größe und Organisation.

Die Belagerung der 150 Jahre alten Bastion Europas nähert sich dem Ende.

Die osmanische Streitmacht von ungefähr 100.000 Mann erreicht den ungarischen Kriegsschauplatz nach zweimonatiger beschwerlicher Durchquerung des Balkans in der Mitte des Sommers, wo Pascha Ibrahims Balkanarmee bereits mit dem Angriff begonnen hat. Die Selbstaufopferung der Verteidiger von Peterwardein und Illok verzögert die osmanischen Operationen zwar mehrere Wochen, aber Erzbischof Tomori kann mit seinem Heer von einigen tausenden Mann weder Essegg halten, noch die Überschreitung der Drau verhindern. Das Land steht für die osmanische Invasion offen.

Die Truppen des jungen Königs Ludwig II. marschieren langsam von Ofen in Richtung der südlichen Grenzen ab, in der Zwischenzeit wachsen sie zu einer Armee von 28.000 Mann an. Ein schlagkräftiges Heer. Fußsoldaten aus Böhmen und der ungarischen Städte, Schwertkämpfer, Krieger, die im Umgang mit Gewehren und Kanonen geübt sind. Die Landsknechte, mit Piken und Feuerwaffen ausgestattete Söldner, bringen aus Deutschland die neuen Errungenschaften der Kampfkunst mit. Mehrere tausend polnische Soldaten kommen rechtzeitig an. Die ungarische Reiterei sucht in ganz Europa ihresgleichen. 15.000 kampferprobte Soldaten. Die adelige schwere Reiterei und die Husaren des Grenzgebiets sind gefürchtete Gegner der osmanischen Sipahis. Die Truppen der Erzbischöfe und Bischöfe marschieren in der modernsten Rüstung in den ersten Reihen.

Der ungarische Generalstab entscheidet sich für die Ebene bei Mohács als Schlachtfeld. Sie ist für den Einsatz der Reiterei der geeignetste Ort. Das Flachland entlang der Donau verbreitert sich an diesem Punkt, so dass es die Größe der ungarischen Armee begünstigt.

In den sonnenhellen Morgenstunden des 29. August steht das Heer in Schlachtordnung gegenüber den Hanglangen des Plateaus von Földvár und Majs. Entlang einer 4000 m langen Front wird die klassische Schlachtordnung eingenommen. Auf der linken Flanke steht eine kleinere Reitereinheit des Temescher Gespans Péter Perényi. Sie stützt sich auf das sumpfige Überschwemmungsgebiet der Donau. Im Zentrum nehmen 10.000 Fußsoldaten und die Artillerie starke Stellungen ein, dahinter stellen die königliche schwere Rreiterei und die Leibgarde die wichtigsten Reserveeinheiten dar. Auf der rechten Flanke steht der schlagkräftigste Truppenteil der Armee, die Reiterei des Grenzgebiets unter Leitung des Erzbischofs Tomori und des slawonischen Bans, Ferenc Battyhány. In diesen Reihen kämpfen auch die in den osmanischen Kriegen abgehärteten serbischen Husaren. Die rechte Flanke ist zum flachen Terrain hin offen, um feindliche Einkreisungsmanöver abzuwehren.

Eine Wegstunde in Richtung Norden bei Mohács, liegt das ungarische Lager, beschützt von einigen tausend Fußsoldaten. Am frühen Nachmittag desselben Tages kommt auch das osmanische Heer an: Es streift von der Donaustraße ab und entwickelt sich fächerförmig am südlichen Plateau der Mohácser Ebene. An der Spitze des Heeres marschieren die balkanischen Truppen. Diese aus 20.000 Reitern bestehende, sogenannte rumelische Armee kommt als Erste auf das Schlachtfeld, und bildet die linke Flanke. Sie besteht hauptsächlich aus leichter Reiterei, zusammengesetzt aus den gut ausgestatteten Sipahis, Reitersoldaten mit Dienstgrundbesitz. Und balkanischen Bogenschützen, genannt Akinci, den Gegner beunruhigende, auf Raub angewiesene Marodeure.

Die sich langsam entfaltende Frontlinie ragt weit über Erzbischof Tomoris Heeresteil hinaus. Nach der rumelischen Armee marschiert die Armee des Sultans mit mehreren hundert Kanonen und den allerbesten Janitscharen auf. Sie errichten ihre Stellungen in der Mitte des Plateaus. Die Janitscharen werden aus Sklavenkindern zu fanatisierten Kriegern ausgebildet. Sie sind mit Äxten, Bögen und mit den modernsten Feuerwaffen ausgerüstet. 300 Kanonen sichern eine enorme Überlegenheit. Sultan Süleyman wird von hunderten schwerbewaffneten Fußsoldaten und höfischen Sipahis geschützt. Die asiatischen Truppen am Ende der Armee reihen sich nur langsam zwischen dem Zentrum und dem Überschwemmungsgebiet der Donau ein. Dem im glänzenden Stahl bekleideten Heer folgen die sogenannten Asaben in der Hoffnung auf Beute und Ruhm. Sie stellen einen kleineren Kampfwert dar. Die asiatische Reiterei der anatolischen rechten Flanke ist noch nicht einmal angekommen, als die linke Flanke bereits ihre sichere Stellung aufgibt, und von der Mohácser Ebene bis zum Dorf Földvár herabsteigt.

In der Zwischenzeit geht Beg Bali mit einer starken Truppe los, um die ungarische linke Flanke zu umfassen. Dem Schatzmeister, Gáspár Ráskai, wird angeordnet, dieses Manöver mit einer Truppe der Leibgardenreiterei zu verhindern.

Erzbischof Tomori sieht, dass die Osmanen auf den Földvárer Hängen ihre einheitliche Frontlinie verlieren. So bietet sich ihm die Chance, den Feind in Teilen zu vernichten. Auf seinen Rat hin befiehlt der König den allgemeinen Angriff. Im mörderischen Feuer der feindlichen Artillerie marschieren die ungarischen Fußsoldaten in Richtung des osmanischen Zentrums. Die rechte Flanke unter der Leitung des Erzbischofs Tomori fällt die Stellungen der osmanischen linken Flanke an.

Die Truppen des Sultans stehen bereits mit dem ungarischen Zentrum im Kampf, seine Artillerie stellt eine immer größere Bedrohung dar. Nach der Niederlage der linken Flanke greift Tomoris Reiterei weiter an und erreicht die Majs’er Höhe. Tomori weißt genau, er kann und darf den Kampfgeist seines Heeres nicht mit der Anordnung eines Rückzugs brechen.

Die Ungarn müssen angreifen.

Die Reiterei wendet sich am Plateau nach links, und attackiert die osmanische Hauptarmee. Jetzt gibt es die Chance auf den totalen Sieg. König Ludwig schließt sich Erzbischof Tomori an, und wirft sich in den Kampf. Die Verstärkung gibt dem Angriff einen neuen Schwung. 10.000 ungarische Reiter folgen treu der königlichen Fahne. Das osmanische Zentrum versucht mit allen Kräften, seine linke Flanke zu schützen. Tausende Asaben fallen der Reiterei zum Opfer, 10.000 Eliteinfanteristen versuchen mit Kanonen- und Handwaffenfeuer, den Angriff aufzuhalten. Der Schwung der Attacke bricht sich langsam an den letzten Reserven der Osmanen.

Die zerschlagene, aber nicht vernichtete rumelische Flanke reiht sich langsam wieder auf und bedroht den Rücken der im osmanischen Zentrum verklemmten ungarischen Reiterei. Der Sturm wandelt sich hierbei in einen stehenden Nahkampf, die versprengten ungarischen Einheiten werden von der Übermacht aufgerieben.

Kraft und Wille brechen gleichzeitig. Die balkanische Reiterei reicht aus, um den geordneten Rückzug der rechten Flanke zu verhindern. Erzbischof Tomori und die meisten Feldherrn sind zu dieser Zeit schon tot. Es gibt nur mehr ein Ziel: den König in Sicherheit zu wissen. Der Angriff der schwächeren linken Flanke bricht ebenfalls zusammen, die Infanterie verbleibt alleine am Schlachtfeld. Die Sipahis verhindern durch eine Umzingelung den Rückzug des ungarischen Zentrums, woduch die Janitscharen Zeit gewinnen, um aufzuschließen. Die kampferfahrenen Söldner wissen, dass sie vor der osmanischen Reiterei nicht fliehen können. So bleibt ihnen nur ein Ausweg, wenn sie die geschlossene, einheitliche Truppenformation behalten. Die kombinierte Anwendung von Stangen- und Feuerwaffen verursacht bei den Osmanen große Verluste. Die osmanische Artillerie schlägt aus unmittelbarer Nähe Lücken in die Kampfformation, die ungarische Infanterie wird in Teilen vernichtet. Die Fußsoldaten tragen aber noch stundenlang den ungleichen Kampf aus.

***

Nachtrag

Die Niederlage bei Mohács war bloß einer von vielen militärischen Misserfolgen gegen die Osmanen. Es gab noch ungarische Heerscharen, die zur Landesverteidigung fähig waren. Und es gab noch Kräfte, die die Einheit des Landes hätten bewahren können. Der junge König Ludwig II. kam bei der Flucht vom Schlachtfeld ums Leben. Mit seinem Tod stand aber nichts mehr der inneren Spaltung im Wege. Die Parteinahmen zwischen Habsburgern und Osmanen führten zwangsläufig zur Aufteilung des Landes, zum Verlust Ofens im Jahr 1541 und letzendlich zur 150-jährigen osmanischen Herrschaft. Das Königreich Ungarn war nie wieder fähig, seine unabhängige Staatlichkeit zurückzugewinnen, und seine halbtausendjährige Rolle in Europa auszufüllen.

Außer Erzbischof Tomori fielen am Schlachtfeld der Graner Erzbischof, László Szalkai und 11 Bischöfe. 16 Bannerherrn und 12 Magnaten. 4000 Reiter und 10.000 Fußsoldaten. Das osmanische Heer stand noch stundenlang in Schlachtordnung. Sultan Süleyman befahl erst eine Rast, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass keine andere ungarische Armee mehr kommen würde.Im Zuge der nachfolgenden Feierlichkeiten wurden 2000 gefangen genommene Soldaten und die aufgestöberte Leiche des Erzbischofs Tomori enthauptet. Tomoris Kopf wurde vor dem Zelt des Sultans auf einen Spieß gesteckt.

***

Nach den Werken von Géza Perjés.


About these ads

Hozzászólás

Kategória: Bécs, Deutsch, történelem, történeti kutatás

MINDEN VÉLEMÉNY SZÁMÍT!

Adatok megadása vagy bejelentkezés valamelyik ikonnal:

WordPress.com Logo

Hozzászólhat a WordPress.com felhasználói fiók használatával. Kilépés / Módosítás )

Twitter kép

Hozzászólhat a Twitter felhasználói fiók használatával. Kilépés / Módosítás )

Facebook kép

Hozzászólhat a Facebook felhasználói fiók használatával. Kilépés / Módosítás )

Google+ kép

Hozzászólhat a Google+ felhasználói fiók használatával. Kilépés / Módosítás )

Kapcsolódás: %s