Einweihung des Obaltenarchivs

Rundbrief von P. Thomas Vanek (Provinzial) an die Oblaten des hl. Franz von Sales der Deutschprachigen Provinz. Die erwähnte „Praktikantin“ bin ich selbst. ^^

Mit der Einweihung des (neuen) Archivs der deutschsprachigen Provinz fand am 26. März 2014 ein fünfjähriges Unternehmen sein vorläufiges Finale. Als 2009 die deutschsprachige Provinz gegründet wurde, war es für Bruder Hans als Provinzsekretär und mich ein Ziel, die Archive aus den verschiedenen Regionen der fusionierten Provinz ins Provinzialat in Wien zusammenzuführen. So wurden in den ersten Jahren die Archivbestände aus Overbach, aus Düdingen und aus Eichstätt nach erster Sondierung nach Wien transportiert. Währenddes¬sen wurden die Räume im Keller des Provinzialates so umgestaltet und einge¬richtet, dass genügend Platz für den gegenwärtigen Bestand und für die Zukunft vorhanden ist.

Schließlich wurde die Or¬densarchivarin der österreichischen Superiorenkonferenz, Frau Dr. Helga Penz, kontaktiert, um die Bestände auf einen zeitgemäßen anerkannten Standard zu bringen. Nach Sichtung des Volumens wurde eine ihrer Praktikantinnen, Frau Veronika Toth, von uns angestellt. Über ein Jahr arbeitete sie konsequent an der neuen Ordnung und Katalogisierung. Man merkte kaum, dass sich in unserem Keller etwas tat, das von großem Wert für die Geschichte der Provinz ist. Wenn man Frau Toth begegnete, merkte man, wie sehr vertieft sie in ihrer Arbeit war und mit welchem En¬gagement sie ihrer Arbeit nachging.

Es mag sein, dass viele Mitbrüder diese Arbeit als uninteressantes, vielleicht sogar als unnötiges Unterfangen betrachten. Und ich kann das niemanden übelnehmen … Schließlich sollen wir in der Gegenwart leben und nicht in der Vergangenheit. Du hast das berühmte Zitat von Franz von Sales sicher selbst schon oft verwendet: „Meine Vergangenheit kümmert mich nicht mehr… was allein zählt, ist das Hier das Jetzt und Heute.“ Eigentlich ein Totschlagargumente für alle Archivare. Dennoch wissen wir, dass wir nicht ohne unsere Geschichte leben können. Es ist unsere Aufgabe, sie während unseres ganzen Lebens zu integrieren. C.G. Jung nennt das Individuation. Erst so können wir ohne Flucht ins Gestern oder auch ins Morgen in der Gegenwart ganz bewusst leben. Gibt es auch für eine Ordensprovinz eine Individuation? Beim Propheten Ezechiel finden wir im 37. Kapitel die Vision einer Ebene, die voll von Gebeinen ist – von toten Knochen. Ein Archiv könnte man eben¬so betrachten. Alles tote Materie! Und die Arbeit darin: Knochenarbeit! Ezechiel bekommt den Auftrag: „So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig.“ Und du kennst die Fortführung der Vision: Über die Knochen wachsen Sehnen und Fleisch, und die Gebei¬ne rücken zusammen und der Prophet bekommt den Auftrag, den Geist über sie herbeizurufen. Schließlich heißt es dann: „Ich öffne eure Gräber und hole euch aus eu¬ren Gräbern herauf… Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig und ich bringe euch wieder in euer Land… Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.“ Gott als Archivar des Hauses Israel? Mit viel Toleranz und Phantasie kann man diese Vision mit einer Archivarbeit vergleichen. Wer darin arbeitet, bringt Geist in die leblose Materie. Da bei geht es nicht um ein Stöbern in alten Zeiten oder um Nostalgie, oder um eine Gegenwartsflucht. Es geht um das Trinken aus der Quelle der Geschichte, aus der unser Ge¬gen¬wartsgeist ge¬speist wird. Jede Quelle lebt vom Wasser, das lange Zeit im Berginneren sich sammelt und dann irgendwo ans Licht kommt. In den Archivboxen sind die Reste und Spuren unserer geistlichen Vorfahren, sowie die vielen Dokumente oder auch Gegenstände, die für deren Leben von Bedeutung waren. Archivarbeit ist Spurensuche. Und wer diese Spuren entdeckt, findet darin auch den Geist, der die damaligen Menschen bewegt hat. Und das ist weit mehr als die Lebensdaten der Mitbrüder, darin sind die gelebten Berufungen verborgen. Was daraus geworden ist, ist der Ackerboden, auf dem wir heute nach unserem Ermessen säen und ernten.
In der geheimen Offenbarung lesen wir im 5. Kapitel: „Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen?“ Auch dazu lässt sich eine Brücke schlagen. Ein Archiv ist ein Ort, den man mit Achtung und Wertschätzung vor der Würde und der Intimsphäre des Menschen betritt. Hier gilt es, das „Privatim“ eines Menschen zu respektieren und zu schützen. In unserer „gläser¬nen“ Zeit, in der Daten wild um den Globus schwirren, oft auch unachtsam und verantwortungslos weitergegeben werden, ein umso größerer Auftrag, die „Daten“ würdevoll zu verwal¬ten, selbst wenn sie in moralischer Hinsicht bedenklich sein sollten. Schließlich hat das Lamm die für Gott erworbenen Menschen zu Königen und Priestern gemacht (Off 5). Ein abschließender Gedanke aus dem Philipperbrief möge als Motto über dem Provinzarchiv stehen: „Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Jesu Christi.“ (Phil 1,6)

Keine Angst, dass ich jetzt meine Zeit im Archiv verbringen werde! Trotzdem bin ich froh, dass wir dieses Ziel erreicht haben, denn wie heißt es doch so schön: „Wer nicht weiß, woher er kommt, weiß auch nicht, wohin er will.“ Vielleicht ein weiterer Schritt in eine bewegte Zukunft mit vielen Unbekannten!

 

 

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